Anlass für diesen Brief an die Leipziger Stadtbau AG ist zweierlei:
– Berichte über das Verhalten der Leipziger Stadtbau AG, die in der Kochstraße 114 in Connewitz Mieter_innen nicht nur mit Räumungsklagen schikanieren lässt. So berichtet der MDR, die Oktoberausgabe des „Kreuzer“, sowie http://www.freie-radios.net/56746 und http://www.vice.com/de/read/news-teerbomben-gegen-leipziger-kiezkiller .
– das Auftreten der Leipziger Stadtbau AG im Zusammenhang mit der Entwicklung ihres „Brunnenviertels“ (http://www.brunnenviertel-leipzig.de) – ein Komplex von mehr als 60 Häusern in den Leipziger Stadtvierteln Lindenau und Leutzsch.
Aus diesem Anlass wenden sich Anwohner_innen, Gewerbetreibende und Kulturschaffende aus der Nachbarschaft am 20. Oktober 2013 mit einem offenen Brief an die Leipziger Stadtbau AG:
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Sehr geehrter Herr Fahrenkamp, sehr geehrter Herr Koefer,
als Anwohner_innen, Gewerbetreibende und Kulturschaffende aus der Nachbarschaft des „Brunnenviertels“ verfolgen wir die dortige Entwicklung mit Interesse. Wir sind gespannt auf unsere neuen Nachbar_innen – Ihre Mieter_innen – die dort einziehen werden und freuen uns, dass Sie bei den Sanierungsarbeiten offenbar großen Wert auf den Erhalt der denkmalgeschützten Bausubstanz legen.
Die Außendarstellung des „Brunnenviertels“ weckt Erwartungen: Sie setzt stark auf Nachhaltigkeit – offensichtlich ist die kulturell, ökologisch, sozial interessierte Mittelschicht Zielpublikum. Besonders interessant ist, dass Sie auch intensiv mit dem „gewachsenen Umfeld“ und den „Freiräumen“ in der Umgebung werben. Hier kommen auch die selbstverwalteten Wohn- und Kulturprojekte, in denen viele von uns aktiv sind, mit ins Spiel. So zum Beispiel in der von Ihnen veröffentlichten Broschüre: http://www.brunnenviertel-leipzig.de/images/faltblatt/R%C3%A4ume_mit_Umfeld_k.pdf
Man könnte das so verstehen: Die Stadtbau AG schöpft den von der Nachbarschaft gemeinsam erschaffenen kulturellen Mehrwert via Mieter_innenanwerbung als private Rendite für sich ab.
Wir wissen, dass wir Ihnen dies nicht verbieten können. Worüber wir uns aber laut und deutlich empören: Während Sie sich in Lindenau bei einer sozial bewussten Nachbarschaft (und künftigen Mieterschaft) lieb Kind zu machen versuchen, pflegen Sie anderswo – in der Kochstraße 114 – durch Ihre 100%ige-Tochterfirma Rubin 24 GmbH einen Umgang mit Ihren Mieter_innen, den man nur als rücksichtslos bezeichnen kann. Dies haben verschiedene Medienberichte ausreichend belegt.
Wir fordern Sie mit Nachdruck dazu auf:
1. Ihren Vermieterpflichten in den bereits bestehenden Mietverhältnissen nachzukommen, insbesondere als wirtschaftlich Verantwortliche dafür zu sorgen, dass der unhaltbare Umgang mit den Mieter_innen der Kochstraße 114 unverzüglich aufhört.
2. anstelle des x-ten wohlklingenden aber inhaltsleeren Imageflyers
eine substanzielle Äußerung gegenüber der Nachbarschaft des Brunnenviertels darüber abzugeben, wie Sie sich als gewichtiger wirtschaftlicher Akteur in diesem Umfeld zu verhalten gedenken.
3. Ihrer Verantwortung gegenüber dem Stadtteil, die Sie mit dem Kauf der Häuser im „Brunnenviertel“ übernommen haben, gerecht zu werden, indem Sie in den Häusern eine Mietspreizung von dem bisher schon beworbenen Luxussegment bis hin zu KdU-fähigen Mieten vorsehen.
Wir warten auf Ihre Reaktion.
Mit freundlichen Grüßen,
Casablanca e.V. / Die ganze Bäckerei, Josefstr. 12
Projekt- und Hörgalerie A und V / Hausprojekt Lützner Str. 30
Hausprojektgesellschaft Kunterbunte 19 mbH, Georg-Schwarz-Str. 19
Schwarzwurzel OHG – Mitgliederladen für ökologisch erzeugte Produkte, Erich-Köhn-Str. 65
Die BewohnerInnen des Ausbauhauses Merseburger Str. 88b
Spieszgesellen e.V. / Hausverein des Hausprojekts Georg-Schwarz-Straße 21
Handstand&Moral, Merseburger Str. 88b
BewohnerInnen der GutsMuths-Straße 47